Alltag in der Mödlinger Arbeiterkolonie 1918 - 1938

Dr. Christine Bienert

Frau Dr. Christine Bienert hat im Februar 2022 ihre Diplomarbeit zur Erlangung des Grades Magistra der Philosophie, vom März 1987, dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Eine tolle Ergänzung zu der bereits veröffentlichten Dissertation aus dem Jahre 2006.

Hier ein paar Auszüge aus dem sehr interessanten Werk, welches die Geschichte der Kolonie und der in dieser Zeit herrschenden Lebensumstände beschreibt:

Seite 12: Die Arbeiter-Colonie

Zur selben Zeit entstand auch südlich des Mödlingbaches - ebenfalls östlich der Bahn - eine Siedlung: die Arbeiter-Colonie (siehe Plan von 1883).

Die 1872 gegründete Maschinenfabrik der Industrie-, Forst- und Montaneisenbahngesellschaftließ 1873 45 Arbeiterhäuser erbauen (14). Die ersten 11 Häuser bekamen schon im Juli 1873 (15) den Bewohnungsconsens. Im selben Monat wurden die beiden neu geschaffenen Straßen mit Hartig- und Friedrichstraße benannt.

Seite 16: Die Schusterhäuser

Am 4.12.1883 erwarb der Schuhfabrikant Alfred Fränkel um 216.000 Gulden die Fabrik samt der Arbeitersiedlung (26). In den Häusern wurden nun Werksangehörige, vor allem Schuster, untergebracht.

Der "Fränkel" hat für seine Fabrik andere Leute auch gebraucht, nicht nur Schuster, die haben dann auch da gewohnt, Schlosser und Tischler." Am 15.9.1884 nahm die Fabrik den Betrieb auf (27).

Seite 19: Die Schusterhäusler

In der Hierarchie der Mödlinger Bevölkerung gab es drei große Stufen:

Die Mödlinger Bürger - westlich der Bahn
die Schöffelvorstädter - östlich der Bahn, aber nördlich des Mödlingbaches
die Schusterhäusler - östlich der Bahn und südlich des Baches.

"Wir waren eigentlich ein Ghetto, wenn ich das so sage, wir waren in Mödling eigentlich immer Außenseiter. Die Südbahn war bei uns die Grenze und alles, was unter der Südbahn war und unter der Schillerstraße, war irgendwie nicht gern gesehen in Mödling."

"Die Häuser in der Kolonie, die haben Schusterhäuser' geheißen. Und die Leute, die dort gewohnt haben, waren die 'Schusterhäusler'. Das war so diskriminierend gesagt: 'Wo bist du denn her? Ah, ein Schusterhäusler!" Abwertend hat das geklungen.

Seite 62: "Da hat sich alles auf der Straße abgespielt, halt vor der Haustür. Vor den Häusern sind die Frauen gesessen und haben das Gemüse geputzt, die kleinen Kinder haben dort gespielt,das Leben hat sich wirklich im Freien abgespielt." "Und die Frauen haben gleich getanzt draußen auf der Straße mit dem Besen. Musik haben sie selbst gemacht - mit dem Kampel, und eine hat auf der Ziehharmonika gespielt."

Seite 67: "Weil es gibt ja eine obere Kolonie und eine untere Kolonie.

Die oberen waren immer besser als die unteren. Von der Schillerstraße bis zur Laxenburgerbahn, das ist die obere Kolonie, und dann südlich von der Laxenburgerbahn, das ist die untere Kolonie."

Seite 82: "Früher hat man ja zwischen die Gärten durchrennen können, da war ja hinten das Gangl. Weil bevor wir die Wasserleitung gehabt haben, haben wir ja nur Brunnen gehabt, und die waren alle so zwischen die Gärten. Bei uns, zwischen 26 und 24 war auf der Straße auch ein Brunnen. Und wie ich ein Schulbub war, ist die Wasserleitung gegraben worden zwischen die Gärten, im Gangl auch."

Das Manuscript wurde noch mit der Schreibmaschine verfasst, kopiert, als Pdf eingescannt und per OCR durchsuchbar gemacht. Für Interessierte zahlt es sich aus die Pdf Datei zu laden um diese in Ruhe am PC oder Tablet zu lesen.

Viel Spaß beim Stöbern!!

Erich Walter
Webmaster

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